Der schönste Tag der Woche

Mein Lieblingstanzkurs ist anspruchsvoll, fast jeder im Raum tanzt länger als ich, fast jedem im Raum dürfte das klar sein, aber es macht nichts. Wir arbeiten an unserer Technik, wir haben zwei tolle Lehrer, die streng mit uns sind, und wir sind ehrgeizige Schüler. Wir wollen arbeiten, wir wollen lernen, wir gönnen uns wenig Zeit zum Lachen und Reden, aber wir lachen doch. Am Ende sind wir alle verschwitzt, müde vom Konzentrieren, müde von einem langen Tag, aber beim Schuheausziehen summt jedes von uns noch den Refrain des Liedes, auf das wir zuletzt getanzt haben.

Und danach nehme ich immer den gleichen Weg nach Hause, eine Strecke, die ich sonst nicht fahre, weil ich sonst nicht aus diesem Stadtteil komme; ich biege von der lauten Hauptstraße in ein Wohngebiet ab, das genau so auch in einer beliebigen anderen Stadt liegen könnte, Freiburg fühlt sich hier ganz anders an und das ist, als würde ich auf dem Heimweg kurz durch eine andere Welt radeln. Mein Geheimnis, jeden Dienstag freu ich mich drüber.

 

 

Das ist jede Woche schön. Und heute:

Ich habe ein Lob von der Tanzlehrerin bekommen, die ich für eine der wunderbarsten Tänzerinnen halte, die es gibt. Geile Triples!, sagt sie, I like that! – Ihr wisst nicht, was Triples sind, aber das ist OK.

Und morgen ist ein Social, auf das ich mich freue, in einer Location, die ich mag, und ich weiß, das Leute da sein werden, mit denen ich mich gut verstehe, und ich fürchte mich fast kein bisschen. Und danach fahr ich zu diesem Typen, den ich sehr zu mögen beginne, und bin zu gleichen Teilen voll mit Freude (weil ich ihn sehen will) und Angst (dass das doch schnell vorbei sein könnte, oder nicht so gut, wie es scheint, oder — ).

 

Hört eigentlich jemals wer die Musik an, die ich hier rein stelle? Ihr solltet sie unbedingt anhören. Ihr solltet auch unbedingt Lindy Hop tanzen, weil das froh und glücklich macht und gut für die Gesundheit ist.

Tanzen

Ich habe nie regelmäßig Sport gemacht, jetzt tanze ich mindestens zweimal pro Woche Lindy Hop. Ich gewöhne mich an den ständigen Muskelkater und die schweren Beine. Ich beobachte ein wenig besorgt, wie in meiner rechten Schulter ein Schmerz auftaucht und bleibt. Ich bemerke mit Freude, dass meine Schultern, mein Nacken lockerer sind und ich seltener Kopfschmerzen habe. Ich entdecke, dass man in den Fußsohlen Muskelkater haben kann, und dass mein Bauch sich fester anfühlt als vor einem halben Jahr. Ich fahre auf dem Fahrrad nur noch wie eine Schnecke, weil mein Körper sich ein Päuschen wünscht.