Liebe/Krieg

Und das hab ich geträumt:

Vier kleine Jungs stehen an einer Bushaltestelle und streiten um einen MP3-Player, einer schubst einen anderen, der fällt – auf etwas Hartes, das aus dem Asphalt ragt. Eine Hand! Die eiserne Nachbildung einer Knochenhand. Das ist spannender als der MP3-Player, und sie ziehen an der Hand, worauf, Glied um zutage gefördertes Glied, der Asphalt aufbricht und ein menschliches Gerippe freigibt. Es hat riesige, scharfe Zähne aus Silber, und wie in einem Film ist klar, dass die Jungs das jetzt besser auf sich beruhen ließen, aber sie sind zu versessen aufs Abenteuer – denn jetzt wird ein unterirdisches Grab sichtbar, dessen Wächter das silberzähnige Gerippe ist. In ihrer Neugier brechen sie versehentlich den Bann, der auf dem Bestatteten liegt, denn natürlich ist er, ein Magier, ein Pharaoh, ein böser Geist, in seinem Grab mehr gefangen als zur Ruhe gebettet.
Er steht also auf – ein mumifizierter, triumphierender, höchst amüsierter Leichnam, nur um in seiner Grabkammer außerdem den Sarg seiner Geliebten zu finden – was ihn überrascht, denn sie ist schließlich mit schuld daran, dass er hier liegt. Leidenschaft! Intrigen! Mord!
Als er ihren Sarg öffnet, findet er sie darin nicht tot, sondern in ewigem Schlaf, den sie sich zur Strafe für ihren Verrat selbst auferlegt hat. Das nimmt die königliche Mumie als Zeichen der Treue, also weckt er sie auf, und sie beide finden ihre Liebe heiß und lebendig und unverändert vor. Im Triumphzug, auf geschmücktem Pferdewagen, fahren sie aus der Stadt, niemand wagt, sich gegen einen mächtigen Auferstandenen zu erheben, und das Herz seiner Geliebten klopft vor Freude und Furcht über seine Nähe, während sie an seiner Schulter lehnt. Sie trägt eine rote Maske, die seine ist schwarz.

In ein extravagantes Penthouse bringt er sie, die Einrichtung besteht aus Zauberei, an den Wänden schillern Ornamente in beständiger Veränderung. Ihr zuliebe zaubert er jugendliche Schönheit zurück um seinen mumifizierten Körper, lässt diese Hülle aber gerade oft genug fallen, um sie nicht vergessen zu lassen, was sie getan hat. Sie fürchtet und bereut gebührend, er stellt sie auf die Probe, sie besteht, sie gibt sich ganz in seine Hand, er vertraut langsam wieder, sie schicken sich an, die Welt zu erobern und gucken abends DVDs und haben anschließend phänomenale Liebesnächte.

Und am Ende? – Bringt sie ihn wieder um.


 

Und bei sowas soll ich mich nachts erholen.

 

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Seltsame Nächte, seltsame Zeit

Der Mond schaut durchs Dachfenster auf mich herab und sein Licht ist so grell, dass ich es beinahe hören kann. Im blendenden Weiß leuchtet meine Schlaflosigkeit taghell und treibt blasse Blüten namens Unfriede und Zweifel.

Gleich werde ich wieder einschlafen und bis zum Morgen so intensiv träumen, dass ich den ganzen Tag noch meine Traumgefühle und -konflikte verarbeiten muss, und währenddessen geht das Leben weiter, und dann kommt schon die nächste Nacht mit neuen Träumen. Wo ist Ruhe?

Ich will, dass die Nacht vorbei geht.

Träumchen

Ich träume. Wovon? Nicht von dir, nicht von der Hochzeit, sondern von einem Supermarkt voll ganz unglaublicher Süßigkeiten. Doppelt gefüllte Doppelkeksschnitten! Außerdem anwesend: mein Vater, der mit einer Aktentasche morgens zur Arbeit fährt, wie es sich für einen richtigen Vater gehört. Und dann gibt es noch einen Aufzug, der mich und meinen Begleiter (der war schon mit im Supermarkt, aber wer ist das nur?) nicht im nächsten Stockwerk, sondern auf einem Bahnsteig ausspuckt, und dort begegnen wir einem kleinen Mädchen – klein: sie geht mir ungefähr bis knapp unters Knie. Soll ich deine Hand nehmen?, frage ich und bereue es gleich, so tief muss ich mich bücken.

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31.07.

Ich träume in letzter Zeit dauernd vom Reisen. Irgendwas ist daran immer kompliziert oder geht gleich ganz schief, ein verschwundenes Flugticket, ein Missverständnis mit dem Fernbusfahrer, und im Fernbus sind alle Sitze falschrum und zeigen gegen die Fahrtrichtung. Und: es ist immer der Rückweg, von dem ich träume. Wo war ich denn und wo soll ich jetzt ankommen?

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Traum

Im Traum gehe ich mit einer Freundin zum Bäcker, um Brötchen fürs Frühstück zu kaufen; wir wollen zu dritt frühstücken, ein Freund wartet auf uns. Wir kaufen absurd gute Dinge – keine Bäckerei hatte je so leckere süße Teilchen wie meine geträumte Bäckerei Weber – und bekommen eine Stempelkarte angeboten: wenn sie voll ist, bekommt man 36 marmeladengefüllte Hörnchen.
Darf man die vorher probieren?, fragen wir, gewieft. Das muss die Verkäuferin ihre Kollegin fragen; die kommt aus dem Hintergrund nach vorne zur Theke, ihre Haut ist grün mit schwarzen Pünktchen, aber wir dürfen die Hörnchen testen.
Können wir auch drei haben?, fragen wir, mutig geworden. Wir bekommen die ganze Packung – die Hörnchen stellen sich enttäuschend als eine Art gefüllter Grissini heraus. Aber man nimmt, was man kriegt, also wollen wir ab jetzt Punkte sammeln.

In der nächsten Szene sitze ich mit der grünhäutigen Verkäuferin in einem schwarzen Auto und wir arbeiten uns durch wirre Einbahnstraßen und Unterführungen und Abkürzungen und Verkehr, ich kann nicht mehr sagen, warum wir das machen, aber es ist sehr wichtig, und im Laden wartet immer noch meine Freundin.
Der Traum kippt ab ins Chaos, Handlung und Personen verwischen sich, werden zu etwas Neuem, obwohl sie sich noch vertraut anfühlen, und schließlich bin ich ein kleiner Waisenjunge, der aus all dem Chaos die Chance zur Flucht ergreift und, nachdem er dem letzten seiner Häscher entkommen ist, im Sonnenschein über eine riesige Brücke spaziert. Wohin?

Sind die Frühstücksbrötchen je an ihren Bestimmungsort gekommen? Haben wir zu dritt gefrühstückt, währen der kleine Junge sich in die Freiheit gekämpft hat? Wie schmecken die Hörnchen?