Alle Tage wieder

Heute ist Uni. Grumpy sagt, es ist völlig ausgeschlossen, dass wir da hingehen. Nächste Woche vielleicht! Jetzt sind wir einfach noch nicht so weit.

Er liegt noch faul im Bett und stinkt vor sich hin. Ab unter die Dusche!, kommandiere ich, und er guckt mich misstrauisch an und überlegt, so gründlich, dass wir schon seit einer halben Stunde den Wecker auf snooze schalten, statt aufzustehen.

Uni ist gar nicht so schlimm, versuche ich ihn zu überzeugen. Außerdem geht es so nicht weiter, mit der ewigen Verpasserei. Aus dem Bett mit dir!

Er guckt bitterböse, aber er schlurft wirklich ins Bad, um sein Gestinke wegzuduschen.

Mal sehen, ob es klappt mit der Uni.

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Fuck this

Im Lindy Hop ist es so: es gibt Leader (meistens Männer, aber auch ein paar Frauen) und Follower (meistens Frauen, aber auch ein paar wenige Männer), das kennen wir von anderen Paartänzen, und wenn man zu einem Social geht (Tanzveranstaltung), sieht das so aus: es sind immer zu wenige Leader da, das kennen wir auch von anderen Paartänzen, und deshalb kommen die Leader gar nicht mehr von der Tanzfläche, während rundherum mindestens ein Dutzend traurige Follower sitzen, die auch gern tanzen würden. Sie trauen sich nicht, jemand aufzufordern, oder kommen gar nicht erst dazu, weil man sich dafür ganz schön offensiv auf die paar Leader stürzen muss, bevor jemand anders schneller ist. Das liegt nicht jedem. Nicht jeder, denn die traurigen Leute außenrum sind ja nur Frauen.

Gestern war das letzte Social für dieses Jahr und alle haben sich drauf gefreut, ich auch, und dann finde ich mich unter den traurigen Frauen am Rand wieder und denke, das darf nicht wahr sein.
Du kannst doch auch jemand auffordern, wendet ihr ein, und dazu sage ich: Ja, ich kann, und ja, mache ich – aber: Ich muss das nach jedem Lied neu machen, und es fällt mir verdammt schwer, und an manchen Abenden bin ich nicht in der Verfassung, mich alle vier Minuten neu zu überwinden zu etwas, das mir nicht wirklich entspricht. Und ich bin damit nicht allein, sonst würden die traurigen Frauen am Rand nicht den ganzen Abend genau da sitzen.
Ein Leader, mit dem ich drüber rede, sagt: Fällt mir auch auf, und dann lacht er, Aber ich steh auf der anderen Seite, ich kann einfach die ganze Nacht durchtanzen – und weg ist er, auf der Tanzfläche, und ich bleib am Rand stehen.
Eine Leaderin, mit der ich drüber rede, sagt: Ich hab als Follower angefangen und genau deswegen die Tanzrolle gewechselt. Man fühlt sich so abhängig. – Damit trifft sie’s auf den Punkt.
Dabei mag ich es, als Follower zu tanzen – es ist intuitiv und leicht und macht mir Spaß, aber wenn es mit dieser bescheuerten Abhängigkeit einhergeht, muss ich jetzt halt Leader lernen. Keine Ahnung, ob ich darauf Lust habe, aber ich bin doch kein blödes Mauerblümchen, das drauf wartet, von irgendwem gepflückt zu werden.
Und wenn ich halbwegs Leaden kann, kann ich wenigstens ein paar von den anderen traurigen Frauen am Rand retten.

 

PS: Ein Leader, den ich gestern aufgefordert habe, hat mich eiskalt abblitzen lassen. Dafür kommst du in die Hölle, Arschloch.