Halloentschuldigung?

Ich will mein Leben zurück. Ist auch egal, was für eins.
Es muss nur irgendwas sein, das ich machen kann, und dann bin ich wieder mit der Welt verbunden und ein richtiger Mensch.

Deshalb gehe ich morgen probearbeiten bei einer Wäscherei, als Fahrerin. In einem großen, weißen Auto saubere Wäsche durch die Stadt zu fahren, ist genau das, was ich gerade will. Und ich mach keine Rückmeldung und exmatrikullulliere mich diesen Herbst.
Von dem Gehalt mach ich dann wieder einen Tanzkurs. Tanzen ist wichtiger als Masterarbeit.

Das musste jetzt mal deinem Vater erklären.

Rauschen

„Wie lange hält denn dieser Zustand normalerweise an?“, fragt die neue Therapeutin. Sie meint: dieses Nicht-Leben, dieser Stillstand, dieses reine Vegetieren: niemanden gesprochen, niemanden gesehen, zuhause geblieben, bis der Kühlschrank leer war. So geht das nicht weiter, das liegt auf der Hand, aber wo es sonst hin gehen soll – – ?

Dieser Zustand, antworte ich, hält meistens bis zu einer Woche an. Dann geht’s wieder, aber so aufmunternd ist das nicht, schließlich reihen sich solche Zustandswochen in beliebiger Wiederholung aneinander. Und ich muss unbedingt aufhören, dauernd irgendwo Wochen zu verlieren, immerhin hat ein Jahr nur 52 davon.
Wie viele Wochen habe ich schon verloren, wie viele Wochen im Vergleich dazu wirklich gelebt, was macht das mit mir, wie viel mehr habe ich meine Wirbelsäule gekrümmt in den bewegungslosen Tagen vor dem Laptop, was habe ich verpasst? Und wo?

Wie viele Freundschaften habe ich daran verschlissen.

Ich gebe diesem Studium noch zwei Monate.