Vergeigt

Vor Wochen hab ich einen Mann kennengelernt, schön war er und klug und so sympathisch, und er liebte Kunst – ist das nicht der, von dem ich so sehr geträumt habe, dass ich sicher war, es kann ihn gar nicht geben?

Ein wunderbarer Mann also, und was mach ich? Ich schreibe böse SMS, weil die nächste Verabredung nicht zustande kommt, worauf er mir einen derart sanften, klugen Korb gibt, dass ich ihn umso wunderbarer finde, aber meine Chance ist verstrichen.

Der schöne, kunstsinnige Mann meiner Träume bleibt also weiter ein bloßer Traummann; das ist das eine.

Das andere, kuriosere, was mich fast noch mehr wurmt, ist: bei all seinen „tut mir leid, gerade keine Zeit, aber nächste Woche“-Nachrichten hatte ich doch das Gefühl, dass er es ehrlich meint und einfach wirklich keine Kapazitäten frei hat. Erst, als ich anderen davon erzählt habe, hat es sich allmählich auch in meinen eigenen Ohren komisch angehört, und natürlich haben alle gesagt: der hält dich doch nur hin, das wird nichts, vergiss ihn.

Und deshalb – weil es mich wütend macht, wie ich dastehe: als naive, passive Frau, die sich hinhalten lässt und treu drauf wartet, dass er sich rührt – deshalb schreibe ich ihm die böse SMS. Die er mir übel nimmt. Ende der Bekanntschaft.

Seit wann bin ich so beeinflussbar? Ich, stur, bockig, immer zu einem Aber aufgelegt, soll mich jetzt an die Meinung anderer Leute halten?  ?????

Und dabei hat die eigentliche Carlie das richtige Bauchgefühl gehabt, indem sie ihm vertraut hat. Die eigentliche Carlie würde er mögen, deshalb darf er doch nicht einfach gehen – nur wegen der anderen Carlie, die gar nicht stimmt.

Aber wenn nicht einmal ich mich so sehr auf die eigentliche Carlie verlasse, dass ich mich von anderen nicht beeinflussen ließe, wie kann ich dann von ihm wollen, dass er diese Carlie kennenlernen und ihr vertrauen soll?

Tja. Du wirst womöglich nie wieder einem Mann begegnen, der mit selbstgemachten Ohrringen beim ersten Date auftaucht und davon redet, wie er Schulklassen von Kunst begeistern will.