Symptome

Ich beobachte an mir, dass ich in letzter Zeit im Straßenverkehr angespannter bin als sonst und dauernd Angst habe, irgendwas falsch zu machen. Kann daran allein ein frustrierter Rentner schuld haben? Heute auf dem Heimweg von der Arbeit begreife ich, dass es diese Stelle sein muss, in der die neuen Telefonisten – ich und eine Handvoll Kollegen – permanent überwacht und kritisiert werden. Und mit der Haltung geh ich dann durch den Alltag. Muss man sich mal klar machen.

Ich gucke die Kündigungsfrist nach: zwei Wochen. Die Niedertracht in mir beschließt, nicht eine Sekunde vorher irgendwem Bescheid zu geben.

27.08.

Seit gestern ist es besser. Ich gehe zu einem Kennenlerntreffen für das Ehrenamt, das ich machen möchte, und begreife etwas über mich. Das klärt die Unordnung ein bisschen, ich weiß jetzt, warum ich diesen Blog brauche oder warum ich eine Zweierbeziehung brauche, wenn sie da ist, oder warum ich dieses Ehrenamt brauchen werde.

Leben ist so irre groß.

Ich muss jetzt zum Lindy Hop. Mein Job ist und bleibt grundsätzlich bescheuert.

Schlaf, Kindlein, schlaf

Mein Kopf weiß viele Dinge.

Dass man die Frage, wie es weitergehen soll, nicht zwischen 2 und 4 Uhr nachts löst, weiß er nicht.

Worüber er nachdenkt: wie viel Geld brauche ich mindestens? Bekomm ich das im Kino? Soll ich im Kino weiterarbeiten? Soll ich mehr Geld fordern? Soll ich in die ver.di eintreten und einen Betriebsrat gründen? Wie respektvoll muss ich mit meinen Chefs reden? Wie kann man einen Streik organisieren und könnte sich den überhaupt wer leisten? Wo könnte man einen Kummerkasten aufstellen? Lohnt sich das alles, wenn ich nicht mal weiß, ob ich da bleiben will? Macht mich ein besser bezahlter Bürojob froh? Soll ich wirklich die Uni abbrechen? Wie trifft man Entscheidungen? Kenne ich wen, mit dem ich mal wieder ins Bett gehen kann, weil ich wirklich Hunger habe? Wie viel angenehmer wäre mein Leben ohne die drückenden Geldsorgen? Kann ich in meiner Stadt mit einem abgebrochenen Master eine Stelle finden, in der ich in Teilzeit genug zum Leben verdiene? Hab ich wirklich keine Lust auf das, was man Karriere nennt, oder berufliche Selbstverwirklichung? Wie lebt man denn?

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