Erstarren

Meine Wohnung, das Aufwachen, in einer Beziehung sein und mich nicht verschließen, mein Job, dieser Tag, der nächste Tag, die nächste Woche, ich:

unerträglich.

Ich will nur Frieden, einmal im Leben will ich Frieden.

 

Und an die, die das lesen und sich Sorgen machen: ihr habt kein Recht auf eure Sorgen. Ihr solltet wissen, dass ich da durchkommen werde, ihr solltet mir vertrauen und anerkennen, dass man manche Dinge so schonungslos sagen muss. Das macht sie lange nicht absolut, und das solltet ihr wissen.

Das Bild zum Beispiel.

Kristof Kintera, All my bad thoughts. Schwer anzuschauen, und vielleicht poste ich es aus Trotz, um die zu verunsichern, die sich verunsichern lassen durch diesen Blog. Grrrr.

(Ich kann dieses Kunstwerk auch nicht lange anschauen. Das finde ich cool dran, diese Grenzüberschreitung, die eigentlich nur ehrlich ist.)

Narben, Wunden, Salz, Feuer

Wie lange hast du im Bad gestanden? Zwei Stunden. Und das dafür – aber du bist selbst schuld, so viel zu hoffen, war dein Fehler.

Aber du hast es versucht, sagen freundlichere Stimmen, ist es nicht wundervoll und mutig, dass du es versucht hast? – Nein, will ich ihnen antworten, eine Aneinanderreihung von gescheiterten Versuchen ist bei weitem kein Erfolg, und Scheitern macht mich nicht froh und ich bin es leid, keinen Fußbreit zu gewinnen, jeder neue Anlauf beginnt exakt am Ausgangspunkt und alle Welt ist lang an mir vorbeigezogen.
Einmal habe ich angefangen zu existieren, aber ich weiß nicht, wo das passiert sein soll, denn wo immer ich hingehe, ist kein Platz für mich. Ich hänge am Rand des Bildes, so durchsichtig, dass ich selbst nicht weiß, ob ich für andere sichtbar bin, ein Grauschleier, eine Bildstörung, ein Fleck auf dem Abend.

Oh, aber ich soll nicht übertreiben, denn so geht die Wahrheit: Dus Freunde und ich haben nichts gemeinsam und es hatte gar nicht gutgehen können, das ist nicht meine Schuld; und später, beim Tanzen – ich bin angekommen und war schon fast kein Mensch mehr, und ich mag die Band nicht, und das ist keine einfache Situation – das also war kein einfacher Abend und es ist okay, dass er nicht besser lief, okay, enttäuscht zu sein, aber bitte in vernünftigen Maßen. Ich bin nicht vernünftig. Ich brenne vor Wut.
Ich will hässlich, kalt und destruktiv zu Du sein, der nichts dafür kann. Ich will ein Haus anzünden. Ich will aus Eis sein.

Jemand will darüber diskutieren, ob es in Ordnung ist, Kinder auf die Welt zu bringen, ohne sie zu fragen. Ich wünschte, jemand hätte mich gefragt.

Ich gehe nach Hause und schreibe einen wirren, bitteren Text wie ein sozial inkompetenter Idiot und zeichne mit

Gregor der Käfer.

 

 

Zur Hölle, sage ich

Fremder Mann mit fuchtelndem Regenschirm,

Sie hatten Recht im Sinne der Straßenverkehrsordnung, aber nach Maßstäben eines freundlichen Miteinanders sind Sie ein giftiger Kobold. Ich habe auf Sie Rücksicht genommen – Sie nicht auf mich. Sie haben mich angegriffen, obwohl ich Sie nicht gestört, und nachgetreten, obwohl ich mich nicht gewehrt habe.
Und ob Sie’s glauben oder nicht, das ist unfair – denn wenn Sie sich nicht die Mühe gemacht hätten, mich anzuschreien, hätten Sie überhaupt keinen Ärger mit mir gehabt, Sie hätten wahrscheinlich nichtmal bemerkt, dass ich da war. Ich habe niemanden gefährdet oder nur gestört: der Störenfried, der Unruhestifter, das Übel an diesem Abend waren Sie allein.

Ficken Sie sich also, sobald Sie in Ihrem Nimbus der Selbstzufriedenheit zuhause angekommen sind. Sie dummes, hässliches, aufgeblasenes Nichts.

Kein Gruß für Sie von der Radfahrerin auf dem Bürgersteig, gegen die Fahrtrichtung, über die rote Ampel

Kleiner als

Wir treffen uns zum Reden. Ich wünsche mir, dass wir so weit zueinander finden, dass wir danach gut auseinander gehen können. Ich will ein ungetrübtes Bild von der Zeit mit dir behalten, ich möchte bedauern, dass sie zu Ende ist, ich will mich gern erinnern, ich will dir frei sagen können, dass sie mir was bedeutet hat, und was.

Aber dann sind wir doch nur zwei Idioten, die verschlossen durch den Wald stolpern und verzerrte Fragmente zwischen sich hin- und herschieben, weil sie ums Verrecken keine gemeinsame Sprache finden, und wie wir auseinander gehen: in Höflichkeit, die brutal ist, weil sich so nicht zwei Menschen verabschieden sollten, die sich mal wirklich, wirklich gern gehabt haben.

Ich hätte dir gern Danke gesagt, aber als wir die letzten vernichtenden Nüchternheiten ausgetauscht haben, weiß ich selbst kaum noch, wofür. Und genau DAS wollte ich mit diesem Gespräch ausräumen, ich wollte, dass das dumme Gefühl weggeht und der Blick wieder frei ist für das, was gut gewesen ist, aber nachdem alles gesagt ist, bin ich mir nichtmal mehr sicher, ob es so gut war, wie ich es empfunden habe.
Du bist nichts als Abstand, während ich mich wehre, so gut ich kann, aber am Ende tut bloß alles weh, und ich komm mir so dumm vor für meinen Versuch, weich zu sein und es gut zu machen. Du hast mir wehgetan und vielleicht hab ich das herausgefordert, aber ich hab mir so gewünscht, noch etwas Wärme zwischen uns zu finden. Du aber hast ewigen Winter ausgerufen: bemüh dich gern, sagst du —  aber so, wie du das sagst, was will ich mit dem Frühling.
Ich bin nur, was ich bin, ich hab gemacht, was ich konnte, und ich weiß, das ist nicht immer genug, es ist nicht immer leicht mit mir, aber ich bin auch allerhand mehr als das, und was du daran nicht sehen kannst, das trag ich dir nicht auch noch nach. Und dein stilles Zählen kleiner Schmerzen: mag damit umgehen, wer will.

Ich weiß um dein Bemühen, ich weiß um deine Großzügigkeit, ich weiß um deine Fürsorge, und ich weiß, wenn mein Zorn vorüber ist, werd ich dankbar sein für das warme Nest, das ich bei dir gehabt habe, und ich werde wieder wissen, dass diese stille kleine Liebe auch wahr gewesen ist: aber auch du hast versäumt und geirrt und versagt.

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Dass mich die neue Situation mit dem regelmäßigen Arbeiten ein bisschen stresst, merke ich unter anderem daran, dass der väterlicherseits vererbte Choleriker in mir durchschlägt. Ich kriege unverhältnismäßige Wutanfälle, die sich gegen das ganze Universum richten, vertreten durch ein Staubkorn, das nicht macht, was ich will. Dann brülle ich durch die Küche und haue mit der Faust auf den Tisch, was natürlich ganz unsinnig ist, aber es kommt mir sehr gerechtfertigt vor, so einen Knoten hab ich im Bauch.

Das mit dem Job muss sich schnell einpendeln, ich kann es gar nicht leiden, so unausgeglichen zu sein. Ich fange jeden Tag um zwei dort an und wenn ich um acht aufstehe, habe ich sechs Stunden Zeit, mir Stress zu machen, entschieden zu viel.

Ich ergreife eine proaktive, vernünftige Maßnahme und verabrede mich für morgen Vormittag zum Frühstück. Kein Stress bei Eiern und Brötchen, aber jeden Tag kann man nicht frühstücken gehen. Irgendwann werde ich abends wieder Tanzkurse haben, dann kann ich zumindest nach der Arbeit Spannung abbauen, aber bis dahin muss ich mir irgendwas einfallen lassen, ich werd noch ganz verrückt und der arme Küchentisch kriegt entschieden mehr Prügel, als er verdient.

Und heute Abend bin ich DJ auf einem Social. Zumindest bin ich ein Drittel der DJ-Besetzung, und auch nur in Vertretung, aber ich fühl mich nicht wirklich bereit dafür, weil ich immer noch nicht richtig verstehe, was Swingmusik ausmacht. Ich habe meine Laien-Anarcho-Playlist dabei und hoffe, es wird schon drauf getanzt werden. Das stresst mich aber auch.

Außerdem hab ich kein WLAN zuhause und komm nicht zum Bloggen, da fehlt entschieden ein Ventil. Himmel!

Du musst mitmachen

Ich bin wütend, weil ich wütend bin und du nicht zurück wütend bist und es schwerer ist, wütend zu sein, wenn man die Wut nirgendwohin richten kann. Dann bleibt man drauf sitzen, und das ist gar nicht mal so bequem, weil die Wut piekst und kratzt.

Ich bleib aber nicht auf was Kratzigem sitzen, das zur Hälfte gar nicht meins ist. Ich raffe zwei Armvoll kratziger Wut zusammen und schmeiß sie dir vor die Tür, so kommt’s mir richtig vor, kannst du mal sehen, wo du das jetzt hinräumst.