Warnsignal

Wenn ich morgens nicht das Radio laufen lassen kann, weil das zu viel Input wäre: zu viel los.

Kann nicht bremsen.

07.11.

Ich komme von der Arbeit und fühle mich unnütz und schäbig, weil ich mit meinem Pensum nicht durchgekommen bin und im resultierenden Stress alle Kräfte aufgebraucht habe. Ich habe keine Nachricht von Du und fühle mich erst vergessen und dann schwach, weil ich mich vergessen fühle und es mir was ausmacht. Ich will Liebesbekundungen, aber trotzdem meine Ruhe.

Ich versuche mir klarzumachen, dass es okay ist, müde zu sein, weil seit gestern um halb eins viel los war und keine Pause: ein Mittagessen mit einem lange fälligen Gespräch, ein intensiver Arbeitstag und dann ein spontaner Abend bei Du, der geknickt ist, weil er wegziehen muss. Ich versuche, ihn zu trösten und bleibe viel zu lange, telefoniere zwischendurch mit meinem Vater, der am nächsten Morgen operiert werden soll, kann nicht einschlafen, wache unerholt auf: Haushalt, Frühstück und ein unangenehmer Arztbesuch, dann wieder Arbeit, die heute besonders stressig ist, und dann komm ich heim und bin so erschöpft, ich könnte heulen. Heulen!

Es ist schwer, mir zuzugestehen, dass ich ein Mensch mit begrenzten Kräften bin. Die Wohnung dröhnt vor kalter Starre. Ich bin ein Mensch mit begrenzten Kräften und einer großen Erkältung. Ich muss nicht stärker sein, oder perfekt. (Das glaube ich mir nicht.)

Hallo, wie geht’s

Was soll das denn, was wollt ihr von mir, warum pfeift ihr eure Hunde nicht zurück, die sich in meine Arme und Beine verbeißen? Da hängen sie, jaulen und knurren, und ihr sagt: Du wolltest doch einen Hund.
Aber diesen nicht!, schreie ich und trete nach ihm, Und nicht so einen! Und den da auch nicht, und den, und den, und den!
Was denn dann, sagt ihr, während ihr am Horizont immer kleiner werdet. Ich bleibe zurück, ich bin ein paar Teile in einem Knäuel aus Fell und und Zähnen und zerkauten Gliedmaßen, es schmatzt und jault, Hundespeichel ist, was mich zusammen hält.

Druck, Druck, Druck

Im Kino gewesen, nur fast geweint. Weil der Film intensiv und traurig war, kommt die Welt draußen mir roh und falsch vor, bloß die Kälte tut gut. Es fällt Schnee und auch das tut gut, ich fahre nach Hause und mache Tee.
In mir ist nichts übrig, was ich anrühren könnte, ohne dass mir alles um die Ohren fliegt. Ich trinke den Tee im Dunkeln, weil das erträglich ist; meine Mutter hat versucht, mich anzurufen, aber ich kann nicht mit ihr reden. –

Morgen ist ein Tag mit Plänen, aber Pläne kommen mir schrecklich vor, und danach ist kein freier Tag mehr bis Mittwoch. Ich kann nicht, ich kann nicht.