Die Große Verwirrung

Ich telefoniere mit meinen Eltern und die sagen aus heiterem Himmel: Du musst doch nicht fertig studieren, wenn es halt nicht klappt.

Erstens ist das neu aus dem Munde meiner Eltern, zweitens war ich an dem Punkt schon genau vor einem Jahr. Was mach ich jetzt? Wer bin ich, und was soll ich?

Was für Zukunft?

Winter im Schwarzwald; Foto: Juliane Jastram

Ich gucke mal, was es in dieser Stadt so für Stellen gibt für Leute, die nix g’lernt ha’m: wenn ich jetzt der Uni Lebewohl sage, könnte ich einem fünftklassigen Fotografen assistieren. Oder in einem Schreibwarenladen arbeiten. Immerhin mag ich Schreibwaren. Ich könnte für diverse Unternehmen Sachen von A nach B fahren. Ich könnte – tada! – Taxifahrer werden.

Im Moment denke ich: alles besser als das, wie es ist. Bereu ich das dann? Und wann?

Vati wünscht sich was Anderes für seine kluge Tochter. Sie hätte Journalistin werden sollen, Auslandskorrespondentin am besten, sie spricht doch so viele Fremdsprachen und schreibt so gut, Sprache ist einfach ihr Ding, schon in der Grundschule war das so, außerdem finanziert er ihr jetzt das achte Jahr an der Uni, das kann doch auch nicht für die Katz‘ gewesen sein.

Die kluge Tochter weiß, dass sie klug ist und viele schöne Sachen kann. Aber sie hat gerade wirklich keinen Mut und keine Nerven und was man so braucht, um irgendwas ganz Tolles zu machen. Gerade geht’s eher ums Überleben. Zumal man die ganzen schönen Begabungen ja auch gepflegt haben muss, um irgendwen davon zu überzeugen, dass er einen fürs Begabtsein bezahlt, und ich hab gar nix gepflegt.

Ich weiß nicht, was ich machen soll.